Unser Glaube  

   

Zusammenwachsen  

Zusammenwachsen 
Besuch des Stammapostels und Ruhesetzung Bezirksapostel Bernd Koberstein am 25. Februar 2018
   

Wort zum Monat  

   

Die Neuapostolische Kirche

 

Die Neuapostolische Kirche (NAK) ist eine internationale, christliche Kirche mit weltweit ca. 9 Mio. Mitgliedern. Sie verhält sich politisch neutral und unabhängig und finanziert sich aus den freiwilligen Spenden ihrer Mitglieder. Grundlage ihrer Lehre ist die Heilige Schrift und die altkirchlichen Bekenntnisse. Das neuapostolische Glaubensbekenntnis, das in engem Zusammenhang mit den beiden altkirchlichen Bekenntnissen steht, umfasst 10 Glaubensartikel. Die ersten drei entsprechen weitgehend dem Apostolikum; sie betonen die Bedeutung dieses altkirchlichen Bekenntnisses. Die darauffolgenden sieben Artikel stellen eine Auslegung, Weiterführung und Ergänzung dieser Bekenntnisse dar. Das Wiederkommen Christi zur Heimholung der Brautgemeinde ist wichtiger Bestandteil der neuapostolischen Lehre.

1863 ist die NAK aus der Katholisch-Apostolischen Kirche entstanden und wird von Aposteln geführt. Geistliches Oberhaupt der Kirche ist der Stammapostel. Seit Mai 2013 ist Jean-Luc Schneider Träger des Stammapostelamtes.

Die NAK feiert drei Sakramente: Das Sakrament der Heiligen Wassertaufe ist die erste und grundlegende Gnadenmitteilung des dreieinigen Gottes an den Menschen. Sie ist das „Ja“' Gottes zum Menschen, das Begrabenwerden und Auferstehen mit Christus und die Einfügung in seinen Leib, also die Kirche. Darüber hinaus bedeutet die Taufe, dass die Erbsünde abgewaschen wird. Unmündige Kinder und Erwachsene können gleichermaßen das Sakrament der Heiligen Taufe empfangen. Die in anderen christlichen Gemeinschaften gespendete Taufe wird als gültig anerkannt, sofern sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und mit Wasser gespendet wird.

Das Heilige Abendmahl ist das zentrale Geschehen im neuapostolischen Gottesdienst. Es ist Gedächtnis-, Bekenntnis- und Gemeinschaftsmahl. Neuapostolische Christen feiern das Heilige Abendmahl auch als endzeitliches Mahl. Entsprechend der Aussage Jesu in Lukas 22,18 steht die Abendmahlsgemeinde in Erwartung dieser Verheißung. Die Elemente Brot und Wein werden durch die Konsekration und das Sprechen der Einsetzungsworte in ihrer Substanz nicht verändert. Vielmehr tritt die Substanz von Leib und Blut durch das Wirken des Heiligen Geistes hinzu (Konsubstantiation).

Die Heilige Versiegelung ist die Spendung der Gabe des Heiligen Geistes. Beide Sakramente, die Heilige Wassertaufe und die Heilige Versiegelung, bilden zusammen die Wiedergeburt aus Wasser und Geist. Mit dem Empfang der Heiligen Versiegelung, die allein von Aposteln gespendet wird, hat der Gläubige die Voraussetzung zur Erlangung der Erstlingsschaft erhalten, er kann also, wenn er sein Leben auf Christus und seine Wiederkunft ausrichtet, zur Brautgemeinde gehören.

Die NAK legt Wert auf das eigenverantwortliche Handeln ihrer Mitglieder. Der Einzelne ist Gott gegenüber für sein Verhalten verantwortlich. Orientierung bieten das Evangelium Christi und die Zehn Gebote.

Neuapostolische Kirche - Geschichte und Glaube

 

Beginn in England

Die Geschichte der apostolischen Bewegung beginnt im England des frühen 19. Jahrhunderts. Auf einem Landgut bei Albury nahe London trafen sich seit dem Jahr 1826 Geistliche und Laien aus unterschiedlichen christlichen Konfessionen, um über die Bedeutung der Offenbarung des Johannes für heute nachzudenken. Etwa gleichzeitig predigte der schottische Geistliche Edward Irving in London von der nahen Wiederkunft Christi. Während seiner Gottesdienste soll es zur Erweckung von Geistesgaben wie Krankenheilungen und Prophezeiungen gekommen sein.

In Albury geschah am 31. Oktober 1832 die erstmalige prophetische Rufung eines Apostels, bis 1835 kamen elf weitere Apostelrufungen hinzu, sodass die katholisch-apostolische Kirche, wie sie sich jetzt nannte, über 12 Apostel verfügte; Edward Irving und seine Gemeinde, mittlerweile aus der Schottischen Nationalkirche ausgeschlossen, schlossen sich der Bewegung an.

1836 veröffentlichte der Kreis der Albury-Apostel eine Denkschrift, das „Testimonium“, in dem sie darlegten, dass sie die Menschheit auf die bevorstehende Wiederkunft Jesu vorbereiten wollten. Die Denkschrift wurde an die wichtigsten religiösen und politischen Führer Europas verschickt, ohne eine nennenswerte Wirkung zu erzielen. Die Apostel von Albury waren überzeugt, dass sie die Wiederkunft Jesu zu ihren Lebzeiten erleben werden – allerdings starben 1855 drei Apostel, 1879 war nur noch ein Apostel, der 1805 geborene Francis Woodhouse, am Leben; er starb 1901 in hohem Alter. Die Hoffnung der katholisch-apostolischen Apostel hatte sich nicht erfüllt.

Auf dem Weg zur Neuapostolischen Kirche

In Deutschland, wo die katholisch-apostolische Kirche einen großen Missionserfolg verzeichnen konnte, wollte man sich nicht damit abfinden, dass das Apostelamt nicht neu besetzt werden sollte. 1862 kam es zur ersten Apostelrufung in Hamburg – die englischen Apostel erkannten diese nicht an, sie waren der Meinung, dass verstorbene Apostel nicht ersetzt werden dürfen. Es kam zum Bruch mit den englischen Aposteln. Ab 1895 entwickelte sich das Stammapostelamt, das – in Analogie zu Apostel Petrus – die Schar der Apostel leiten sollte. Der erste Stammapostel war Friedrich Krebs (1832–1905). Seit den 1930er Jahren spricht man in Deutschland von der „Neuapostolischen Kirche.“

Von 1988 bis 2005 war der Schweizer Richard Fehr (1939-2013) Stammapostel. Unter ihm wurde die Mission weltweit ausgedehnt. Die Kirche – bislang eine eher in sich geschlossene Gemeinschaft – wurde einem Öffnungsprozess unterzogen, bei dem die Kirchenleitung nach ökumenischer Gemeinschaft mit anderen Kirchen strebt.

Heute ist die Neuapostolische Kirche (NAK) mit ca. 350.000 Mitgliedern in Deutschland neben den evangelischen Landeskirchen, der Katholischen Kirche und der orthodoxen Kirchen die größte christliche Glaubensgemeinschaft. Weltweit sind fast 10 Millionen Mitglieder zu verzeichnen; besonders in Afrika ist die neuapostolische Kirche verbreitet.

Der Glaube der neuapostolischen Christen

Theologisch gesehen beruht der Glaube der neuapostolischen Christen auf der Heiligen Schrift und den Aussagen der sechs ersten ökumenischen Konzile (ausgenommen der Lehre von Maria als Gottesmutter, wozu man sich ähnlich wie die reformatorischen und anglikanischen Kirchen äußert). Die altkirchlichen Dogmen und Bekenntnisse (Apostolikum, Bekenntnis von Nizäa-Konstantinopel) haben in der Neuapostolischen Kirche Gültigkeit. Der Glaube der neuapostolischen Christen ist in einem zehn Artikel umfassenden Glaubensbekenntnis dargelegt. Es fußt, besonders in den ersten Artikeln, auf den altkirchlichen Bekenntnissen, enthält aber auch die Aussagen zum Apostelamt, zur Wiederkunft Christi und zum Entschlafenenwesen.

Kirchenstruktur

Trotz der reformatorisch anmutenden Bezugnahme zur Bibel ist die NAK hierarchisch gegliedert: Neben allgemein bekannten Ämtern wie Diakon, Priester und Bischof gibt es die schon teilweise im Urchristentum bekannten Ämter und Funktionen wie Evangelisten und Hirten. Älteste sind übergemeindlich agierende Amtsträger, die Bezirksälteste genannt werden. Sie leiten und verwalten ähnlich wie ein Dekan oder Probst einen Kirchenbezirk. Ihnen sind in der Regel Bezirksevangelisten zugeordnet, die wie die Ältesten selbst in den Gemeinden des Kirchenbezirks predigen. Über diesen übergemeindlichen Ämtern steht der Bischof, der hauptsächlich Seelsorger der Amtsträger ist und dem Apostel zur Seite gestellt ist.

Das zentrale Amt in der Neuapostolischen Kirche ist das Apostelamt. Feste Überzeugung in der NAK ist es, dass das Apostolat nicht mit dem Ableben der urchristlichen Apostel endet, sondern erneut in der Endzeit von Gott gegeben wurde, um die Gläubigen auf die Wiederkunft Christi vorzubereiten. Die in der Regel von der Kirche bezahlten Apostel sind in der Mission tätig und einem Bezirksapostel zugeordnet, der eine Gebietskirche leitet (vergleichbar mit einem Bischof in seiner Diözese). Über den Bezirksaposteln steht der Stammapostel, der zusammen mit diesen die Kirche leitet, Apostel einsetzt und die Einheit der Lehre gewährleistet.

Im Mittelpunkt: Die Wiederkunft Christi

Die Wiederkunft Christi wird, im Einklang mit dem biblischen Zeugnis, als ein nahes Ereignis erwartet. Charakteristisch ist für den neuapostolischen Glauben die Erwartung eines 1000-jährigen Friedensreiches, das in der Offenbarung des Johannes erwähnt wird. Auf die Wiederkunft Christi werden die Gläubigen durch das Wort Gottes, das in den Gottesdiensten gepredigt wird, und durch die Sakramente Taufe, Abendmahl und Versiegelung (apostolische Handauflegung mit Geistmittelung, wie sie schon 1847 von der katholisch-apostolischen Kirche eingeführt wurde) vorbereitet.

Eine Besonderheit der NAK ist das Gedenken an die Entschlafenen. Man ist davon überzeugt, dass das Heil Gottes nicht auf lebende Gläubige beschränkt bleibt, sondern auch in die jenseitige Welt reicht: Verstorbene können am Wort Gottes und an den Sakramenten der Kirche teilhaben. Die Sakramente werden für die Entschlafenen in speziellen Gottesdiensten dargeboten und stellvertretend für sie von kirchlichen Amtsträgern in Empfang genommen. So werden Lebende und Verstorbene gleichermaßen auf die Wiederkunft Christi vorbereitet.

Text: Lothar Selmes

© 2017 - Neuapostolische Kirche, Bezirk Darmstadt